Expertenstandard Beziehungsgestaltung – der Aspekt der Person-Zentrierung näher betrachtet

Vor kurzem hatten wir ein Webinar zum Thema der Aspekt der Person-Zentrierung unter der Lupe. Es war sehr gut besucht und ich war überrascht, wie sehr dieser Aspekt doch ein Thema ist, denn die bisherigen Expertenstandards sind ja sehr ähnlich zu bewältigen in der Umsetzung und Struktur. Hier gibt es eine Ausnahme mit diesem etwas befremdlich anmutenden Aspekt der Person-Zentrierung bei dem man meinen würde, die eine oder andere Einrichtung könnte dazu neigen, diesen etwas „außen vor“ zu lassen was die Intensität der Schulungen zu diesem Bereich angeht. Dem ist scheinbar nicht so und das ist gut, denn es ist ja das Herzstück des Standards und der wichtigste Aspekt der Umsetzung.

In diesem Blockartikel, habe ich einmal die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.

Eine einheitliche Definition gibt es für die Person-Zentrierung nicht. Allgemein kann man sagen, es geht um die Anerkennung der Einzigartigkeit und der Individualität der Person, als wesentliche Voraussetzung für das Erleben von Wohlbefinden und Autonomie.

Tom Kitwood (1937-1998) englischer Sozialpsychologe und Psychogerontologe entwickelte von 87 bis 95 eine neue Theorie zum Umgang mit dementen Menschen auf der Basis des Person-zentrierten Ansatzes. Im Mittepunkt der person-zentrierten Pflege nach T. Kitwood steht NICHT die Person-mit DEMENZ, sondern die PERSON mit Demenz, also das Subjekt selbst und nicht seine Krankheit!

Dies bedeutet:

  • Person steht an erster Stelle
  • Im Zentrum steht nicht Heilung sondern Wohlbefinden und gelingende Beziehung
  • Ergebnisse wirken in beide Richtungen (Dementer und Pflegender)
  • Fokus liegt auf dem Aspekt der Begegnung (Begegnung ist immer wieder neu)
  • Gleichzusetzen sind hier der Erhalt des Personseins = Wohlbefinden
  • Fokussierung auf das Subjekt-die Person rückt in den Mittelpunkt
  • Wechselseitige Anerkennung, Vertrauen und Respekt sind wesentliche Aspekte für das Beziehungsgeschehen
  • Wechselseitiger Zuspruch, Versicherung von Akzeptanz und Assistenz zwischen Menschen wird dann besonders wichtig, wenn Menschen trotz Mängel, Fehler, Versagen Anerkennung erfahren und erleben sollen

Folgende globale Empfindungszustände gehen nach Kitwood mit Wohlbefinden und gut erhaltenem Personsein einher:

  • Das Gefühl etwas wert zu sein
  • Das Gefühl etwas zu tun-etwas bewirken zu können
  • Das Gefühl Kontakt zu anderen Menschen zu haben-dazu zugehören
  • Das Gefühl von Sicherheit-Urvertrauen und Hoffnung

Kidwood hat 12 Aspekte zur Beziehungsgestaltung definiert:

  1. Anerkennung als Person
  2. Verhandeln
  3. Zusammenarbeiten
  4. Spielen
  5. Timalation
  6. Feiern
  7. Entspannen
  8. Validation
  9. Halten
  10. Erleichtern
  11. Interaktion und Symbole
  12. Geben

 

Diese Aspekte spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht eine Person-Zentrierte Haltung zu leben.

Im Zitat von Martin Buber „Der Mensch wird am Du zum Ich“ findet sich hier ein wichtiger Ansatz der Haltung wieder. In dem sich der Mensch zugehörig fühlt, gesehen und respektiert, empfindet er sich als Person. Wenn er Vertrauen in sich erlebt, durch andere Menschen, wenn er einen Sinn empfindet in seinem Tun, dann erlebt er sich als geachtetes Mitglied der Gesellschaft. Dieser Aspekt ist in einer Selbstreflexion gut zu überprüfen. Wie müssen sich andere Menschen mir gegenüber verhalten, damit ich diese Gefühle entwickele? Das ist schon eine Antwort auf gelebte Person-zentrierte Haltung.

Wen das näher Interessiert, einem kurzen Podcast erläutere ich die 12 Aspekte noch einmal näher.

Ich wünsche Ihnen bis dahin eine gute Zeit

Bleiben Sie gesund!

Ire Lisa Ruchnewitz

 

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