Expertenstandard Schmerzmanagement neu – Ausblick auf Podcast 03.12 und e-leraningkurs

Expertenstandard Schmerzmanagement neu - Ausblick auf Podcast 03.12 und e-leraningkurs

Einer, der wie ich persönlich finde wichtigsten Expertenstandards in der Pflege wurde in diesem Jahr aktualisiert, in dem das Phänomen Akutschmerz und das Phänomen chronischer Schmerz in einem gemeinsamen Standard verortet wurden.

 

Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege“ *neu* seit Juni 2020

 

Der E-learningkurs Schmerz wurde daher gerade angepasst und dafür habe ich mich intensiv mit den Ergebnissen der Aktualisierung auseinandergesetzt.

Hier möchte ich schonmal einige Aspekte aufzeigen, die sich verändert haben. Eine Herausforderung für die Einrichtungen ist sicherlich jetzt die Tatsache, dass viele Empfehlungen in den Kommentierungen nun grundlegender formuliert sind und die erforderlichen Konkretisierungen und Ausgestaltungen jetzt im entsprechenden Praxisfeld vorzunehmen sind.

Das Konzept der stabilen und instabilen Schmerzsituation wurde mit übernommen und akute Schmerzen sind zunächst grundsätzlich als instabil einzustufen, da dass Ziel darin besteht, die Schmerzen schnellstmöglich zu beseitigen bzw. auf ein akzeptables Maß zu reduzieren und somit zu stabilisieren. Bei chronischen Schmerzen, steht hier nicht die Schmerzfreiheit im Vordergrund, sondern die Stabilität einer Schmerzsituation und die Ausrichtung an den Selbstmanagementkompetenzen des Betroffenen.

Eine grundlegende Veränderung ist der Verzicht auf einen definierten Wert (einen sog. Cut-off-Wert), ab dem eine medikamentöse Intervention durchgeführt werden sollte. Dies war in den bisherigen Standards so formuliert.

Dies wurde verändert, weil man zu dem Schluss gekommen ist, dass das individuelle Schmerzmaß des Einzelnen ausschlaggebend für die Beurteilung einer Schmerzsituation ist. Hier hat man sich darauf geeinigt, bei jedem Menschen mit Schmerzen, eine individuelle maximale Schmerzstärke festzulegen, die als Orientierungswert für die Verordnung und Gabe einer analgetischen Bedarfsmedikation dienen kann.

Die Bezeichnung Patient/ Bewohner wird außerdem in „Mensch mit Schmerzen“ geändert und die Zielgruppe sind Menschen mit Schmerzen jeden Alters, auch diejenigen, die nicht in der Lage sind sich selbst zu ihren Schmerzen zu äußern. Bei der Auswahl der Expertenarbeitsgruppe wurde außerdem darauf geachtet, dass es genügend Expertise zur Zielgruppe „Kinder“ gab.

Eine weitere Ergänzung findet sich in den Strukturkriterien, in denen die Kompetenz der Pflegefachkraft als wichtige Voraussetzung für das pflegerische Handeln benannt wird. Dem zugrunde liegt der Kompetenzbegriff des deutschen Qualifikationsrahmens (DQR).

 

Bezüglich der einzelnen Ebenen, will ich nur in kurzen Stichworten einmal anreißen, was im Fokus steht:

  • Screening und Assessment als unterschiedliches Vorgehen zur Vereinfachung auch für andere Berufsgruppen
  • Der großen Bedeutung von pflegerischen Schmerzexperten insbesondere bei der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen wurde Rechnung getragen
  • Relevanz einer Verfahrensregelung zum Schmerzmanagements als Voraussetzung für eine gelingende interprofessionelle Zusammenarbeit ist betont ebenso wie die Bedeutung eines individuellen Behandlungsplans
  • Aspekt der Beratung von Kindern wurde ergänzt
  • Auf der Kriterienebene wurde eindeutig zwischen medikamentöse und nicht-medikamentösen Maßnahmen unterschieden.
  • Die Ausführungen in den Kommentierungen zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen wurde bewusst übergeordnet formuliert und die Auswirkungen dieser auf die Selbstmanagementkompetenz wurde deutlicher hervorgehoben auf der Ergebnisebene.
  • Die Bedeutung einer regelmäßigen und Anlassbezogenen Bewertung der Wirksamkeit der Maßnahmen unter Einbezug einer Verlaufskontrolle wurde dargestellt.

 

Als Ausblick ist erwähnt, dass geplant ist im Rahmen der nächsten Aktualisierung ein Indikatorenset zu entwickeln.

Beim Lesen des Expertenstandards wird klar, dass wenn auch Vieles bei der Zusammenführung natürlich nicht „neu erfunden wurde“, dennoch der Fokus und die Gewichtung deutlicher geworden sind und auch im Allgemeinen scheint er deutlich und alltagspraktisch. Es erfordert auf jeden Fall eine erneute Auseinandersetzung mit der Thematik, um bei der Implementierung die Aspekte anzupassen und zu ergänzen, die bisher noch differenziert in akuten und chronischen Schmerz betrachtet wurden und den großen Anteil an nicht-medikamentösen Maßnahmen in Form von Fortbildungen/Schulungen/Seminaren besser im Pflegealltag zu verankern.

Wir werden am 03.12 auch im Podcast nochmal näher auf das Thema eingehen und einen Aspekt aus der Prozessebene näher beleuchten. Der E-learningkurs wird ebenfalls in Kürze erscheinen.

Eine gute Zeit bis dahin und bis zum nächsten Mal

Bleiben Sie gesund!

Ihre Lisa Ruchnewitz