Job gewechselt oder gerade erst begonnen – so werden Sie eine gute Führungskraft

Executive male working at desk

Die Überschrift wirkt ja fast schon etwas provokant, wenn man bedenkt, wieviel Literatur es zum Thema gibt. Unzählige Bücher, Artikel, Facharbeiten.

Der etwas abgegriffene Satz „Der Fisch stinkt vom Kopf zuerst“ hat sicher schon so manche Einrichtung den guten Ruf, fähige Mitarbeiter, konstruktive Strukturen oder ein gutes Betriebsklima gekostet. Es wird so viel gelehrt und gesprochen, über Kommunikation, über Führungsstile, über Techniken, Zeitmanagement und viele Tools, die dazu beitragen können, dass ein Mensch befähigt wird, eine „gute Führungskraft“ zu werden.

Aber was fehlt denn häufig?

Ich habe unzählige Einrichtungen erlebt, wo Führung einfach mal so passiert. Jemand rutscht in eine Position z.B. von einer Fachkraft zur Wohnbereichsleitung oder Stationsleitung, oder von einer WBL zur Pflegedienstleitung, die Weiterbildung wird dann zwar gemacht aufgrund der rechtlichen Gegebenheiten, die Inhalte werden „irgendwie mitgenommen“ und manchmal bleibt auch etwas hängen (ja auch das ist bewusst provokant) und dann sitzt man da, auf einem Platz, auf dem einem doch niemand so 100prozentig gesagt hat, wie es denn nun funktioniert. Beziehungsweise, gesagt wurde viel, aber die Umsetzung ist sicher in den Alltagsstürmen und Herausforderungen nicht immer leicht.

Das gute daran, wenn man möchte, dann wächst man mit seinen Aufgaben, aber dazu gehört eben auch Interesse und Wollen, eine gehörige Portion Neugier, der Mut, Fehler zu machen (und zuzugeben) und zu lernen (auch ganz viel von und mit seinen Mitarbeitern), außerdem Offenheit und Nähe-ohne distanzlos zu sein, das Bewusstsein, dass man eine Vorbildfunktion innehat und man nicht konstant anders handeln kann, als man es von seinen Mitarbeitern erwartet und die Bereitschaft sich persönlich entwickeln zu wollen.

Dazu gehört auch, sich Rückmeldungen zu holen von seinen Mitarbeitern und Feedback einzufordern, denn ohne funktioniert es nicht. Jeder Mensch benötigt hin und wieder einen Abgleich der unterschiedlichen Realitäten. Gerade wenn Sie neu in einer Einrichtung sind, hierzu ein Tipp: Hören Sie gut zu! Beobachten Sie Abläufe, Teams und Strukturen und machen Sie sich zu den Dingen Notizen, die gut funktionieren und ebenfalls zu denen, die Ihnen negativ auffallen.

In Bezug auf das Zuhören, passiert häufig der Fehler, dass man gerade am Anfang, Nähe schaffen möchte und dazu gehört natürlich auch etwas von sich zu erzählen und preiszugeben. Dies führt jedoch hingegen der Erwartung vieler Menschen, nicht automatisch dazu, dass Ihr Gegenüber/ihr Team sich öffnet und Dinge preisgibt.

Wenn es gezielt eingesetzt wird um Nähe herzustellen, wirkt es auch leicht anbiedernd und berechnend. Deshalb: Nahbar machen ja, distanzlos werden: Nein!

Wirkliches Zuhören, bedeutet auch aushalten zu können, nicht gleich von sich zu erzählen, oder mit Vorschlägen zu kommen, wie es besser ginge, sondern sich erst einmal einen Gesamtüberblick zu verschaffen und diesen Stück für Stück durch mehr Perspektiven zu erweitern. Mir fällt hierzu meine Zeit als Einrichtungsleitung bei einem großen öffentlichen Träger ein, dessen Strukturen über die Jahrzehnte sehr hart geworden waren. Es gab einige Häuser, in denen die Leitungen über Jahrzehnte „einfach nur da waren“ und sicher sehr nett und manchmal auch fachlich kompetent. Das hat aber nichts über die Führungsqualität ausgesagt, genauso wenig wie über die Zahlen der Einrichtung, die Bewohner oder die Mitarbeiterzufriedenheit, die Strukturen, die Fluktuation oder den Krankenstand. Die Einrichtung die am „besten“ lief, im Sinne dieser eben genannten Aspekte, war eine Einrichtung, mit einer Einrichtungsleitung, die bereit war zu wachsen, die trotz vieler Berufsjahre offen und neugierig geblieben war für Neues, aber ohne sich zu verbiegen oder ihren eigenen Stil zu verlieren. Sie hat gegenüber ihren Mitarbeitern klare Aussagen getroffen, sich an ihre eigenen Vorgaben gehalten und ein gesundes Maß zwischen Interesse an ihren Mitarbeitern und einer professionellen Distanz gehabt, sie hatte ihre Bewohner und Mitarbeiter im Blick und nicht zuletzt, sie hatte sich selbst im Blick und hat immer wieder auch abgeglichen ob der Kurs noch stimmt.

Es ist unabdingbar als Führungskraft auch Sicherheit auszustrahlen und trotzdem bereit zu sein seinen Kurs zu korrigieren, wenn es denn notwendig wird.

Was ist aber denn nun die Antwort, die man findet, wenn man all die Bücher liest, über gute Führung, wenn es Führungskräfte gibt, die in ihrer Persönlichkeit so unterschiedlich sind, unterschiedlich gut oder schlecht?

Es gibt wohl nie die eine Wahrheit oder die eine Antwort, es ist wie als würde man als Eltern alle Bücher über „gute Erziehung“ lesen, alle Schulungen machen, sich beraten und coachen lassen und erwarten das es dann auch perfekt ist/wird um sich dann nach 18 Jahren fragen, warum trotzdem nicht alles perfekt gelaufen ist.

Warum ist denn nicht alles perfekt gelaufen?

Die Bereitschaft zur Umsetzung genau der Aspekte die relevant sind aus dem ganzen Dickicht an Informationen, muss genauso vorhanden sein, wie die Anpassung der Tools an die gegebene Situation und den Menschen gegenüber. Nicht alles passt für jeden und nicht zu jedem passt alles.

Deshalb ist wohl einer der besten Wege, eine gute Führungskraft zu werden, sich seiner eigenen Werte als Führungskraft bewusst zu werden und bereit zu sein, in und mit diesen Werten in der Umsetzung zu wachsen und seinen ganz eigenen Weg zu gehen, dabei sich selbst, seine Mitarbeiter und seine Klienten nicht aus dem Blick zu verlieren und an gegebener Stelle auch bereit zu sein, für eine Kurskorrektur.

In unserer dazu gehörigen Podcastfolge gehen wir noch einmal vertieft auf die Situation des Jobwechsels bzw. des Neustarts ein und geben 5 Tipps, wie ein Neustart als Leitung erfolgreich gelingt!

In diesem Sinne eine schöne Woche

Bleiben Sie gesund!

Ihre Lisa Ruchnewitz

Scroll to Top