Kommunikation 1. Teil: Neue Wege gehen mit Idiolektik – Wer spricht denn da?

Kommunikation 1. Teil Neue Wege gehen mit Idiolektik - Wer spricht denn da

Über Kommunikation hatten wir ja schon den einen oder anderen Blogartikel. Allerdings länger keinen und gerade jetzt, wo die Stimmung an der einen oder anderen Stelle etwas kippt, aufgrund der angespannten Situation, ist es wichtig, den Menschen „gegenüber“, im Blick zu behalten und Reaktionen und Aktionen zu verstehen und angemessen zu begegnen. Sowohl im privaten, als auch im beruflichen Umfeld.

Hierfür eignet sich ganz hervorragend die Idiolektik als Haltung und Methode, um einen Menschen da „abzuholen“ sprachlich, wo er sich verstanden fühlt und sich öffnen kann.

BegründerInnen des idiolektischen Konzepts sind der amerikanische Arzt, Psychiater und Psychotherapeut David Jonas und seine Frau, die Anthropologin Doris Jonas. Kern und unterscheidendes Merkmal der Idiolektik ist nach David Jonas „die Kunst eines bestimmten, bewussten, präzisen, professionellen und achtsamen Umgangs mit der Eigensprache einer Person.“

Nach dem Tod von David Jonas im Jahr 1985 wurde das Konzept der Idiolektik von seinen Schülern und Schülerinnen weiter umgesetzt und entwickelt und das Fundament von Theorie und Praxis ausgebaut.

Was ist denn aber Idiolektik?

„Der Begriff leitet sich ab aus dem Griechischen. Er setzt sich zusammen aus zwei Wortbestandteilen: zum einen aus „idios“, was soviel bedeutet wie „eigen“, „eigentümlich“, „keinem anderen gehörig“ und zum anderen aus „legein“ mit der Bedeutung „sprechen“, „reden“, „sagen“ und „erzählen“. Neben der Muttersprache, dem Dialekt und der beruflichen Fachsprache (Soziolekt) verfügt jeder Mensch über den sogenannten Idiolekt. Diese ganz individuelle Sprache ist vergleichbar mit dem unverwechselbaren Hautrelief der Fingerkuppen. Dieser sprachliche Fingerabdruck ist nicht nur durch Genetik bestimmt, sondern entwickelt sich aus dem bisherigen und fortlaufenden Erleben und Erfahren. Damit ist jeder Idiolekt einzigartig – in seiner Eigensprache kommt der Mensch umfassend in seiner Ganzheit zum Ausdruck. (Quelle: https://idiolektik.de/#wasistidiolektik)

Es geht hierbei um Merkmale wie Achtsamkeit, Zieloffenheit, Respekt, Eingelassenheit, offene & nicht-wertende Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Empathie.

Ist das Ganze etwas Abgehobenes, abstraktes? Nein, überhaupt nicht, wenn man anfängt sich ein wenig damit zu beschäftigen, dann durchdringt man sehr schnell worum es geht. Man kann sich entweder selbstständig etwas damit beschäftigen oder auch an einem Kurs teilnehmen, wenn man tiefer vordringen möchte Es gibt vielfältige Literatur dazu (z.B. Idiolektik: richtig fragen von Poimann hier ist die Fragetechnik praktisch beschrieben mit Übungen und Beispielen).

Einer der Hauptaspekte sind die Schlüsselwörter.

„Schlüsselwörter heben sich auf unterschiedliche Weise aus dem Gesagten hervor: dies kann beispielsweise geschehen durch eine auffällige Wiederholung oder eine stimmliche Betonung. Ein Schlüsselwort kann durch Gestik oder Mimik markiert werden. Ein Ausdruck kann aber auch dadurch auffallen, dass er antiquiert oder kindlich wirkt, eine eigene Wortschöpfung darstellt oder in einer Fremdsprache bzw. im Dialekt ausgesprochen wird. Schlüsselwörter haben meist einen bildhaften Charakter“ (siehe ebda).

Es gibt natürlich viele weitere Aspekte und das hier bis ins Detail zu beschreiben würde zu weit führen. Aber auf der Internetpräsenz eines Arztes und Therapeuten findet man eine schöne Beschreibung und Erklärung dazu, was mit Idiolektik erreicht werden kann und welche Haltung dahintersteht.

„Kommunikation gelingt, wenn die Distanz zwischen unterschiedlichen Lebenserfahrungen überbrückt und Verstehen möglich wird. Alle Sinneseindrücke, Gefühle und Gedanken prägen die Sprache, mit denen ein Mensch seine Welt beschreibt. Das ist Eigensprache oder Idiolekt. In der Eigensprache leben neben den lexikalischen Bedeutungen der Worte sehr persönliche Verbindungen. Sie sind wie Türen, die in die lebendige Welt des Gegenübers einladen.

Idiolektik ist der methodische, sorgfältige und präzise Umgang mit Eigensprache. Die Haltung ist geprägt von der kompromisslosen Anerkennung der Sicht des Anderen. Genaues Zuhören und fragendes Aufnehmen der Worte führt zum Wahrnehmen und Würdigen unseres Gegenübers. Durch offenes, konkretes und ressourcenorientiertes Fragen nach sogenannten Schlüsselworten schaffen wir aufmerksame Präsenz. Damit steht ein Raum für innere Prozesse zur Verfügung, durch die unser Gegenüber sich und seine eigene Welt betrachten, bestaunen und wertschätzen kann. Im achtsamen Umgang mit der Eigensprache einer Person folgt der Gesprächsfluss einer ganz eigenen Logik und hilft dem Befragten oft überraschende und neue Erkenntnisse und Lösungen für sich zu finden. Die körpersprachlichen Signale und bildhaften Sprachelemente geben uns hierbei Orientierung und helfen uns, Ressourcen zu erkennen und Resonanz zu ermöglichen. Durch das Loslassen eigener Hypothesen und das sich Einlassen auf den anderen entstehen sehr lebendige Gespräche und ein hohes Maß an Vertrauen.

Wo Menschen miteinander im Gespräch versuchen, Brücken zu bauen und Türen zu öffnen, um beiderseits zufriedenstellendes Handeln zu ermöglichen, z.B. im täglichen Miteinander, in Heilberufen, Seelsorge, Pädagogik, Beratung und Coaching sowie im Kundenkontakt schafft die idiolektische Haltung und Methode rasch Vertrauen und einen „guten Draht“ zum Gegenüber. Sie kann Klärungsprozesse anstoßen, eigenständige Veränderungspotenziale wecken und anderen ermöglichen, für sich adäquate Lösungen zu entwickeln“. (Quelle: https://www.tilman-rentel.de/idiolektik.html)

Hier wird sehr gut deutlich, worum es geht und wir werden uns im nächsten Blogartikel noch einmal konkreter damit beschäftigen, wie das im Alltag umzusetzen ist.

Wer also Lust hat, hier noch ein wenig tiefer einzusteigen, der ist im nächsten Artikel herzlich eingeladen dazu.

Bis dahin eine gute Zeit

Bleiben sie gesund und bis bald!

Ihre Lisa Ruchnewitz

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