Kommunikation 2. Teil – Idiolektik in der praktischen Anwendung

Kommunikation 2. Teil - Idiolektik in der praktischen Anwendung

Wir haben uns im letzten Blogbeitrag einer besonderen Art der Gesprächsführung gewidmet: Der Idiolektik. An diejenigen unter Ihnen, die den vorherigen Artikel nicht gelesen haben, hierbei geht es um die Eigensprache des Menschen und eine wertschätzende Art der Gesprächsführung mit Hilfe von Schlüsselwörtern und noch einigen weiteren Aspekten. „Diese Schlüsselwörter heben sich auf unterschiedliche Weise aus dem Gesagten hervor: dies kann beispielsweise geschehen durch eine auffällige Wiederholung oder eine stimmliche Betonung. Ein Schlüsselwort kann durch Gestik oder Mimik markiert werden. Ein Ausdruck kann aber auch dadurch auffallen, dass er antiquiert oder kindlich wirkt, eine eigene Wortschöpfung darstellt oder in einer Fremdsprache bzw. im Dialekt ausgesprochen wird. Schlüsselwörter haben meist einen bildhaften Charakter“ (Quelle:  https://idiolektik.de/#wasistidiolektik)

Schlüsselwörter ermöglichen, wenn sie genauer hinterfragt werden, im Bedeutungsinhalt einen besonderen Zugangsweg zur Person, ihren Problemen, ihren Vorstellungen und ihrer Welt.

Sie sind wie eine Brücke zwischen unserem eigenen Erleben und der Gedanken- und Vorstellungswelt des Gegenübers. In der tatsächlichen Kommunikation, also in der Praxis, sieht das Ganze dann wie folgt aus: Man lässt sich ein Wort, von dem man die Vermutung hat, es könnte ein Schlüsselwort sein, näher erklären und veranlasst damit den Gesprächspartner sich näher zu öffnen. Schlüsselwörter sind also Worte die in einem bestimmten Kontext eine gewichtige Bedeutung für den Sprechenden haben- in welcher Art und Weise auch immer.

Erkannt werden können diese Schlüsselbegriffe indem der Zuhörer genau auf folgende, mögliche Kennzeichnungen dieser Schlüsselbegriffe achtet. Dies können z.B. sein: Eine besondere Betonung des Wortes, eine kleine Pause vor dem Wort, es wird deutlich lauter, leiser, höher, tiefer, oder verwaschener ausgesprochen als das Umfeld. Es kann ein Slangwort, ein Dialektwort oder ein Fachterminus in Umgangssprache oder auch durch bestimmte körperliche Signale begleitet oder untermauert sein. Ob wir letztendlich recht haben, mit dem vermuteten Schlüsselwort zeigt sich im Gespräch. Außerdem schaut man im Gesprächsverlauf nach Redewendungen und Metaphern, die der Sprechende gebraucht. Redewendungen werden nicht zufällig verwendet, sondern dort eingesetzt, wo sie für passend gehalten werden.

Das ist häufig kein bewusster Vorgang. Aber selbst, wenn es ein bewusstes Nutzen einer Redewendung ist, weist dies auf einen individuellen Erlebnisbereich hin, in dessen Zusammenhang sie die Redewendung gebraucht.

Metaphern machen unsere Sprache generell anschaulich. Die meisten von uns können mit Bildern etwas anfangen, auch dort wo Worte versagen. Auch diese Bilder können mit persönlichen Erfahrungen in Verbindung gebracht werden. Gehen wir also in einem Gespräch verstärkt auf die Metaphern ein, öffnet dies eine Tür zum Weltbild und der individuellen Vorstellungswelt des Sprechenden.

Es gehören noch weitere Aspekte zur Idiolektik dazu. Wer sich etwas mehr damit beschäftigen möchte, dem empfehle ich eine der folgenden Internetpräsenzen zu besuchen:

https://idiolektik.de/

https://www.youtube.com/watch?v=XeWHBl1y80s

 

Der Kern der Sache ist es also wirklich zuzuhören, zu beobachten, eine offene Haltung gegenüber unserem Gesprächspartner einzunehmen, leere Worthülsen mit Leben zu füllen und uns mit dem auseinanderzusetzen, was wirklich gemeint ist. Dies findet unter der Berücksichtigung bzw. mit dem Fokus auf die Ressourcen des Gegenübers statt. Diese helfen ihm aktiv zu werden.

Meiner Meinung nach ist der Ansatz der Idiolektik so wertvoll, weil er wertorientiert und auf Werten aufgebaut ist. Achtung vor dem Gegenüber haben, seine Einzigartigkeit respektieren und akzeptieren, über die Eigensprache einen Zugang finden, zieloffen und zugewandt die Sprache des Anderen zu sprechen und damit eine Haltung zu leben, die es Menschen ermöglicht sich zu öffnen, spiegeln eine grundlegende Haltung zum Leben wieder.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gute (Kommunikations-)Zeit

Bleiben Sie gesund

Ihre Lisa Ruchnewitz

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