Das Thema der Schluckstörungen / Dysphagie hatten wir vor längerer Zeit schon einmal in einem Blogbeitrag angeschaut. Aufgrund der Häufigkeit im pflegerischen Arbeitsfeld und der damit verbundenen Risiken und Komplikationen nehmen wir es noch einmal auf und schauen uns die wichtigsten Aspekte hierzu noch einmal im Kurzdurchlauf an.
Als eine Art Überblick quasi um die wichtigsten Fakten schnell zu erfassen und diese ggf. auszudrucken und jemanden in die Hand drücken zu können, der diese Fakten aus aktuellem Anlass benötigt. Eine Art Lernkarte Dysphagie.
Inhaltsverzeichnis:
Lesezeit: 3 Minute / 737 Wörter
Lernkarte Dysphagie
Definition
Eine Dysphagie / Schluckstörung ist definiert als eine Funktionsstörung des Schluckaktes! Der elementare, meist unbewusst ablaufende Vorgang des Schluckens dient organisch dem Schutz der oberen Atemwege ebenso wie der Zufuhr von Flüssigkeit und Nahrung. Beeinträchtigungen des Schluckvorganges können somit zu ernsten körperlichen Komplikationen führen.
Häufigkeit
Allgemeinbevölkerung (> 55 Jahre) 16-22 %
Asymptomatisch unabhängig lebende Senioren (Ø 76 Jahre) > 33 %
Altenheim-Patienten 50 %
Symptomatik
Zusammenstellung klinischer Hinweise auf eine mögliche Schluckstörung:
• Kauprobleme
• verlängerte orale Phase
(Kauphase, Pumpbewegungen mit der Zunge)
• Liegenbleiben von Nahrungsresten oder Tabletten im Mund
• Herausfließen von Speichel, Nahrung aus dem Mund
• Niesen, Herausfließen von Nahrung aus der Nase
• Steckenbleiben im Hals (Globusgefühl)
• eingeschränkte oder fehlende Kehlkopfhebung
• eingeschränkter bzw. stark abgeschwächter willkürlicher Husten
• Husten (vor, während oder nach dem Schlucken)
• Rachen reinigen (Räuspern),
• gurgelnde Stimmqualität
• Schwierigkeiten der Artikulation (Dysarthrie – verwaschene Sprache))
• abnormaler Würgreflex
• angestrengtes Schlucken und/oder kompensatorische Mitbewegungen
Einflussfaktoren/Ursachen
Der geriatrische Patient unterliegt natürlich auch im Bereich des Schluckens altersphysiologischen Veränderungen mit unterschiedlichsten Auswirkungen.
Zu diesen Veränderungen im Alter gehören u. a.:
• Zahnverlust, ungeeignete, nicht passende Prothese
• Kiefer- und Kiefergelenksveränderungen
• Stärkere Verknöcherung der Rachen- und Halsstrukturen
• Verringerung der Muskelkraft der Schluckmuskulatur
• Verminderte Sensibilität im (Empfindlichkeit) Mund, Rachen und Hals
• Verminderte Elastizität (Dehnbarkeit) des Gewebes, insbesondere am oberen Speiseröhreneingang
• Auftreten von Zenker-Divertikeln
• Verminderte Speichelproduktion
• Vermindertes Durstgefühl
• Reduzierte Geruchs- und Geschmackswahrnehmung
• Erhöhtes Auftreten bei neurologischer Erkrankungen, z. B. Schlaganfall, Parkinson Syndrom, Demenzielles Syndrom
• Erhöhtes Auftreten bei Tumorerkrankungen
• Erhöhtes Auftreten bei pulmonalen Erkrankungen (wie z. B. COPD – chronische obstruktive Lungenerkrankung)
• Erhöhtes Auftreten degenerativer Halswirbelsäulen-Erkrankungen
• Durch Zunahme chronischer Erkrankungen
• Erhöhte Medikamenteneinnahme
Komplikationen
•obere Atemwegsinfekte wie Aspirationspneumonie, Lungenentzündungdurch Verschlucken von Flüssigkeit oder Speisen
• Atemwegsobstruktion/Verstopfung durch Bolusaspiration Verschlucken
meist festerer Speisen
• akuter Bolustod, Tod durch Ersticken an Verschlucktem
• Exsikkose, Austrocknung mit Folgen wie
· Verstärkung dementieller Symptome
· Verstärkung apathischer Tendenzen
· Verstärkung medikamentöser Interaktionen
(Neben- und Wechselwirkungen)
· Malnutrition, (Mangelernährung) mit Folgen wie 8fach erhöhtes Mortalitätsrisiko (Sterberate) im Krankenhaus
· höherer Komplikationsrate
· längere Liegedauer
Ziele
• Ermöglichung ausreichender Flüssigkeits- und Nahrungszufuhrin angemessener Zeit
• Ausreichender Schutz der tiefen Atemwege
• Verminderung teurer und tragischer Sekundärkomplikationen
(wie z. B. Lungenentzündung)
• Erhalt oder Verbesserung der Lebensqualität
(z. B. durch Verhindern von Angst beim Essen durch Anpassung der
Nahrung an die Behinderung)
• Vermeidung unnötiger Einschränkungen der Lebensqualität z.B. durch
diätetische Maßnahmen (ohne apparative Diagnostik werden aus Vorsichtsmaßnahmen häufig verschiedene Konsistenzen nicht erlaubt)
• Vermeidung unnötiger PEG-Anlagen (Magensonde)
• gezielter Einsatz therapeutischer Möglichkeiten
Quelle: https://www.geriasan.de/schluckstoerungen/haeufigkeit/
Essensregen bei Dysphagie
- Vorbereitung: Brille, Prothese und Hörgerät kontrollieren; Essen sehen, riechen und schmecken lassen; Löffel von vorne – unten
- Abstand zwischen Mund und Teller nicht mehr als 30 cm
- Aufrechte Sitzposition beachten – Stabilität geben (wenn möglich Bodenkontakt)
- Kopf leicht auf die Brust neigen (langen Nacken machen)
- Möglichst früh den Patienten den Löffel oder Glas in die Handgeben (ggf. Hand führen, wenn nötig)
- Angepasste Schluck-Diät (Konsistenz, Menge und Bolusgröße) einhalten
- Zeit lassen, gut kauen und Nachschlucken abwarten
- Mund muss leer sein, bevor eine neue Portion aufgenommen wird
- Während des Essens, den Patienten nicht durch Gespräche ablenken
- Kommt es im Verlauf der Nahrungsaufnahme zum Husten, Räuspern oder gurgelnder Stimme – wegen möglicher Ermüdung des Patienten (Schluckmuskulatur) PAUSE einlegen
- Nach dem Essen noch ca. 20 min aufrecht sitzen bleiben – so können Reste im pharyngealen Bereich (Rachen) nach und nach ab geschluckt werden
- Nahrungsrest im Mund entfernen: gute Mundpflege ist Aspirationsprophylaxe (beugt Lungenentzündungen vor)
- Informationen über individuelle Probleme (z. B. schlechter Allgemeinzustand, s. auch klinische Hinweise auf eine Schluckstörung) an Arzt, Therapeut oder Pflegekraft unbedingt weitergeben
Kurzüberblick über Lebensmittel
Zu Bedenken!
Essen und Trinken können bedeutet weitaus mehr, als nur die Befriedigung von Grundbedürfnissen. Gemeinsames Essen ist ein wichtiges Kommunikationsforum. Diese Tatsache tritt oft erst dann in das Bewusstsein, wenn Schwierigkeiten beim Schlucken auftreten. Angst, sich zu verschlucken oder husten zu müssen, Angst vor Freunden oder vor der Notwendigkeit, in der Öffentlichkeit bestimmte Schlucktechniken anwenden zu müssen, kann bis zur Isolation und Verweigerungshaltung führen.
Es kann zu einer Einschränkung von Aktivitäten und Teilhabe mit Rückzug aus der Gesellschaft kommen. Für die Betroffenen selbst, aber auch für die Angehörigen, Ärzte und Pflegekräfte stellt diese Problematik eine psychische Belastung dar!