Moralischer Stress in der Pflege – Was ist denn das nun wieder?

Kürzlich las ich einen interessanten Artikel zum Thema „Moralischer Stress in der Pflege“. Diese Begrifflichkeit an sich wird tatsächlich selten genutzt, beschreibt aber etwas, was in der Pflege mittlerweile einer der häufigsten Gründe für ein hadern mit dem Beruf auslöst.

 

 

Moralischer Stress in der Pflege – Ein Spagat für professionell Pflegenden

 

Es geht um sogenannte „Ethische Dilemmata“. In dem Artikel kamen Begrifflichkeiten vor, wie z.B. Vorbeugung von einer beruflichen Traumatisierung.  Allein die Worte wiegen schon schwer. Was hat es aber nun damit auf sich und wer beschäftigt sich damit?

International gibt es schon länger Forschungen zum Thema moralischer Stress, in der deutschsprachigen Pflegewissenschaft ist das erst seit kurzem im Fokus.

Im Artikel wird Hauptproblem des psychischen Stresses beschrieben: „Der Spagat zwischen eigenen ethischen Ansprüchen und beispielsweise den scheinbaren Notwendigkeiten der Institutionen gelingt professionell Pflegenden immer weniger. Mit einer Tagung am Campus Rudolfinerhaus und der Tagungsdokumentation „Moralischer Stress in der Pflege – Auseinandersetzung mit ethischen Dilemmasituationen“ haben der Campus Rudolfinerhaus und seine Mitarbeiterin, die Pflegepädagogin Colombine Eisele, ein Zeichen gesetzt“ (Quelle ,siehe Link unten).

 

Link zum Thema – Auseinandersetzung mit ethischen Dilemmasituationen

Die Gesprächspartnerin in dem Artikel um den es geht, ist Pflegepädagogin und hat zu der Thematik folgendes Buch verfasst:

„Colombine Eisele (Hrsg.): Moralischer Stress in der Pflege – Auseinandersetzung mit ethischen Dilemmasituationen, Facultas Verlag, Wien 2017, ISBN 978-3-7089-1558-6, 109 Seiten, 14.50 Euro.“

Den Artikel an sich, finden Sie hier:

https://pflege-professionell.at/wir-sind-in-der-lage-veraenderungen-zu-initiieren

 

Wie institutionelle Rahmenbedingungen die Durchführung der „idealen Pflege“ einschränken

In dem Interview zwischen der Autorin und Herrn Christoph Müller, sagt diese folgendes „Institutionen des Gesundheitswesens sind zu Unternehmen geworden, die den Auftrag haben, schwarze Zahlen zu schreiben. Eine zunehmende Ökonomisierung bedeutet einen verstärkten administrativen Aufwand und Einsparungen beim Personal bzw. Material insbesondere im Langzeitpflegebereich. Diese Entwicklungen stehen dem zentralen Ziel pflegerischen Handelns, also der individuellen patientenorientierten Pflege, gegenüber. Institutionelle Rahmenbedingungen schränken die Durchführung der „idealen Pflege“ ein. Beispielsweise ist der Zeitmangel seit Langem ein belastendes Thema für Pflegepersonen: Nicht genügend Zeit zu haben, um dem Patienten/ der Patientin das Frühstück in Ruhe anreichen zu können, kann Pflegepersonen in ein ethisches Dilemma führen, das sich in moralischen Stress manifestieren kann“ (Quelle, siehe Link.)

 

Ethik in der Pflege

Da haben wir es wieder und zwar als zentrales Thema: Die Ethik. Wie ich finde, oft verkannt und für nicht wichtig genug erachtet und dabei aus den Augen verloren, dass es DAS Thema ist, auf dem alles aufbaut.

Wie häufig haben mich meine Schüler gefragt „Frau Ruchnewitz, was sollen wir denn mit ethischen Fallbesprechungen, die macht doch eh keiner?!“.

Das sollte man mal hinterfragen, oder? In der neuen Pflegeausbildung ab 2020 wird es auf jedenfall auch konkret Thema, denn es gibt einen Kompetenzbereich, der sich damit beschäftigt „Das eigene Handeln auf Grundlage von Gesetzen, Verordnungen und ethischen Leitlinien reflektieren und begründen“.  Hierbei geht es in erster Linie um Versorgungskontexte und Systemzusammenhänge die berücksichtigt werden sollen. Im Kompetenzbereich „Kommunikation und Beratung personen- und situationsorientiert gestalten gibt es unter Punkt 3. „Ethisch reflektiert handeln“.

Das sollte alles dazu führen, dass genauer hingeschaut wird und die Thematik nicht als „unwichtiger Nebenschauplatz“ betrachtet wird, sondern sich auch in den Köpfen der Auszubildenden tiefer verwebt mit der kompletten Berufssituation. Es kommt ja auch keiner auf die Idee zu fragen, wofür man denn bitte den Pflegeunterricht an sich benötigt.

Vielleicht interessiert ja den Ein oder anderen eine Vertiefung des Themas.  Wir haben auch ein Webinar zum Thema „Psychohygiene im Kontext der persönlichen Ethik geplant“. Sprechen Sie uns bei Interesse gerne an.

Viel Spaß beim (weiter) Lesen

Bis zum nächsten Mal

Ihre Lisa Ruchnewitz

Lisa Ruchnewitz

Autor: Lisa Ruchnewitz

Lisa Ruchnewitz, exam. Altenpflegerin, Pflegedienstleitung (Leitende Pflegefachkraft), ICW Wundexpertin, Diplom Pflegepädagogin, Entspannungspädagogin, med. Fußpflege in Ausbildung. In meiner Pflegelaufbahn die seit ca. 20 Jahren andauert, habe ich in vielen verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Funktionen gearbeitet. Ich kenne die Pflege aus der Perspektive einer Auszubildenden über die Arbeit als Leitungskraft für eine Tagespflege und eine stationäre Pflegeeinrichtung, bis hin zur Lehrerin für Pflege und Dozentin in der Fort-und Weiterbildung. In meinen unterschiedlichen Fachfortbildungen habe ich zusätzliches Wissen erworben um auch im Unterricht nah an der Basis bleiben zu können. Auch jetzt habe ich den Kontakt zu Dieser nicht verloren und mache kleine Ausflüge in die ambulante Pflege hin und wieder.   Fachthemen die mir immer wieder besonders am Herzen liegen, sind z.B. die Basale Stimulation, Schmerz, Wunden, Psychohygiene für Pflegefachkräfte, Berufspolitisches und alles im Bereich Ethik in der Pflege.   Ich nehme in den Blogbeiträgen, aktuelle Pflegethemen auf und beleuchte aber auch Themen, die gerne „vergessen“ werden. Es ist mir wichtig, verschieden Perspektiven darzustellen und mich ab und an auch einmal kritisch über die Pflege zu äußern, denn Wachstum ist nur möglich, wenn man die Dinge hinterfragt und Willens ist sich weiterzuentwickeln.   Ich freue mich immer über Anregungen und würde mich freuen immer mal wieder mit Ihnen in den Austausch zu gehen.

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