Nochmal Leben vor dem Tod – Gedanken und Buchvorstellung

So mitten im Sommer einen Artikel über den Tod? Passt das denn? Ehrlich gesagt habe ich das auch überlegt, aber der Tod kennt ja keine Jahreszeit, in der er nicht kommt und das Thema gehört zum Pflegeberuf, genau wie Schmerzen, Prophylaxen und Gesundheitsvorsorge, Wunden usw. Nur dass es meist im Gegensatz zu dem Rest wie etwa Expertenstandards und Co nicht, nicht einfach so nebenbei geschult wird, außer man arbeitet im Hospiz oder auf dem Palliativbereich und hat die Weiterbildung absolviert. Ansonsten ist es eben gegenwärtig und wenn es kommt, dann geht man irgendwie damit um.

 

 

Buchvorstellung: Nochmal Leben vor dem Tod von Beate Lakotta und Walter Schels

 

Bei der Beschäftigung mit der Thematik (ich sollte in einem Pflegedienst eine Fortbildung zum Thema: „Umgang mit Sterbenden halten“, fiel mir ein Buch in die Hände, was ich vor längerer Zeit einmal angeschafft hatte für den Unterricht. „Nochmal Leben vor dem Tod von Beate Lakotta und Walter Schels“. Es erschien im DVA (deutsche Verlagsanstalt München) 2004.

Die Autoren sind eine Spiegelredakteurin und ein Fotograf und für das Buch erhielten sie den Hansel-Miethpreis für engagierte Reportage und den Deutschen Sozialpreis der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Die beiden Autoren begleiten die letzten Tage und Wochen von unheilbar Kranken Menschen und aus diesen Begegnungen entstanden einfühlsame Schilderungen und Fotos. Die Menschen ziehen nochmal Bilanz, meist bleibt nicht viel Zeit dafür um Frieden mit sich zu schließen und sich auf den Tod vorzubereiten. Abschließend beschäftigt sich Die Autorin nochmal mit der Hospizbewegung und der Palliativmedizin. Es sind 23 Portraits entstanden sowohl mit biographischen Aspekten als auch mit Bildern
kurz vor dem Tod und auch danach. Es sind sowohl alte Menschen, als auch jüngere bis hin zu einem Kind.

 

Worum geht es in diesem Buch?

Erzählt wird von nicht gelebten Träumen, gelebten Träumen, von psychischen und physischen Krankheiten, Gesundheit, Familien und allem was zu einem gelebten Leben dazu gehört. Wünsche der Sterbenden im Hospiz oder Zuhause und die Umsetzung der Pflege sowie der Umgang des Pflegepersonals und der Ärzte mit den Sterbenden werden liebevoll portraitiert. Viele Menschen, die das Buch bei mir bisher gesehen haben und es aufschlugen, stutzen erst einmal; bestimmt ist es erstmal befremdlich, diese Bilder von Toten zu betrachten, vor allem, wenn man nichts damit zu tun hat (beruflich und /oder privat bisher).

 

Im Hinblick auf die Fortbildung

Schaut man jedoch genauer hin und überwindet man den Gedanken, dass es ein unschönes Thema ist, mit dem man sich ungern beschäftigen möchte, entdeckt man sehr viel Schönes in diesem Buch und in seiner Intention. Man muss sicher bereit sein, sich berühren zu lassen und damit rechnen, dass es auch Bereiche des eigenen Lebens und vielleicht der eigenen Geschichte streift. In Hinblick auf die Fortbildung sind Aspekte wie Schmerztherapie, Basale Stimulation, Wünsche und Bedürfnisse von Sterbenden mit den Geschichten gut herauszuarbeiten, aber im Endeffekt geht es um das, was schon das Zitat zu Beginn des Buches, sehr schön ausdrückt:

 

Auf alle Menschen wartet gleicher Tod

Und keinen gibt es, der an diesem Tag

Schon weiß, ob er den nächsten noch erlebt (Euripides)

 

Ein Buch für Pflegekräfte

Als Pflegekraft der einen Menschen in den Tod begleitet ist es natürlich wichtig, fit zu sein, in all den medizinischen Gegebenheiten und Grundlagen, es ist wichtig sich gut mit Schmerz-
und Schmerzlinderung auszukennen und mit all den anderen „Begleiterscheinungen“ des Sterbeprozesses, aber mindestens genauso wichtig ist es sich mit der Angst und dem Leben
also der Biographie des Menschen zu beschäftigen, den man begleitet. Vielleicht schauen Sie ja mal rein in das Buch und lassen sich inspirieren-auch wenn es kein „Sommerthema“ in dem Sinne ist. Diese Auseinandersetzung bleibt in unserem Beruf nicht aus. Egal in welcher Jahreszeit.

 

In diesem Sinne Eine schöne Sommerzeit

Ihre Lisa Ruchnewitz

Lisa Ruchnewitz

Autor: Lisa Ruchnewitz

Lisa Ruchnewitz, exam. Altenpflegerin, Pflegedienstleitung (Leitende Pflegefachkraft), ICW Wundexpertin, Diplom Pflegepädagogin, Entspannungspädagogin, med. Fußpflege in Ausbildung. In meiner Pflegelaufbahn die seit ca. 20 Jahren andauert, habe ich in vielen verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Funktionen gearbeitet. Ich kenne die Pflege aus der Perspektive einer Auszubildenden über die Arbeit als Leitungskraft für eine Tagespflege und eine stationäre Pflegeeinrichtung, bis hin zur Lehrerin für Pflege und Dozentin in der Fort-und Weiterbildung. In meinen unterschiedlichen Fachfortbildungen habe ich zusätzliches Wissen erworben um auch im Unterricht nah an der Basis bleiben zu können. Auch jetzt habe ich den Kontakt zu Dieser nicht verloren und mache kleine Ausflüge in die ambulante Pflege hin und wieder.   Fachthemen die mir immer wieder besonders am Herzen liegen, sind z.B. die Basale Stimulation, Schmerz, Wunden, Psychohygiene für Pflegefachkräfte, Berufspolitisches und alles im Bereich Ethik in der Pflege.   Ich nehme in den Blogbeiträgen, aktuelle Pflegethemen auf und beleuchte aber auch Themen, die gerne „vergessen“ werden. Es ist mir wichtig, verschieden Perspektiven darzustellen und mich ab und an auch einmal kritisch über die Pflege zu äußern, denn Wachstum ist nur möglich, wenn man die Dinge hinterfragt und Willens ist sich weiterzuentwickeln.   Ich freue mich immer über Anregungen und würde mich freuen immer mal wieder mit Ihnen in den Austausch zu gehen.

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