Pflege bei Schmerzen Teil 3 – Maßnahmen und Standardfehler

 

In den letzten zwei Blogbeiträgen haben wir uns bereits etwas auseinandergesetzt mit dem Thema Schmerzen. Dieses hier wird der abschließende Artikel, der noch einmal kurz Einblick geben soll, in mögliche Maßnahmen und in Fehler, die leider immer wieder passieren in Bezug auf diese Thematik.

 

 

Pflege bei Schmerzen –Maßnahmen und Standardfehler

 

Der allergrößte Fehler voran, ist sicherlich der Gedanke, dass man als Außenstehender meint, einschätzen zu können, WIE schlimm es sein kann bzw. den Schmerz nicht ernstnimmt oder verharmlost. Dieser Fakt, kann nicht nur dazu führen, dass Menschen an Schmerzen leiden müssen, die zu verhindern oder einzudämmen sind, sondern kann im Ernstfall auch zum Tode führen. Das oberste Gebot ist hier sein Fachwissen und seine Professionalität zu Nutzen und einzusetzen um Schmerzen vernünftig einzuschätzen und ggf. lindern zu können.

Weitere Fehler sind, das unzureichende stellen der Schmerzdiagnose (man geht den Schmerzen nicht auf den Grund), die Schmerzintensität wird unterschätzt und als Folge ein zu schwaches Schmerzmittel gegeben, ein unzureichender Einsatz von Begleitmedikamenten, die Vorurteile gegen Opioide werden nicht durch eine ausreichende Beratung ausgeräumt, alternative Therapien werden nicht ausreichend mit einbezogen und die begleitenden Aspekte werden völlig ausgeklammert (Ängste  etc.)

 

Schmerzwahrnehmung bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen gibt es Aspekte die mitberücksichtigt werden müssen. Die Schmerzwahrnehmung bleibt unverändert. Aufgrund der eigenen Sozialisation klagen aber viele alte Menschen nicht über ihre Schmerzen, weil sie es als ungehörig empfinden. Auch Einschränkungen der Hirnleistung oder Gefühlsstörungen hindern sie daran, Schmerzen zu benennen. Außerdem spielen die Angst vor Nebenwirkungen, die Furcht vor Abhängigkeit oder die Angst, dass die Schmerzen ein Hinweis für eine schlimme Erkrankung sein können, eine Rolle dabei die Schmerzen vor Dritten zu verschweigen. Die Häufigsten Schmerzauslöser im Alter sind degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie Nervenschmerzen und Schmerzen die mit einem Tumorleiden in Zusammenhang stehen. Eine Behandlung von Schmerzen bei älteren Menschen kann wirksam nur auf einer individuell abgestimmten Ebene stattfinden, sei es durch psychologische Maßnahmen oder Techniken, Medikamente, i, Naturheilverfahren oder auch operative Eingriffe. Es gelingt nur selten die Schmerzursachen vollständig zu beseitigen, aber es muss immer das Ziel sein, die Schmerzen auf ein für den alten Menschen individuell erträgliches Maß zu reduzieren.

 

Stationen der Beeinträchtigung der Lebensqualität bei Schmerzen

Es gibt hier einen Kreislauf den es zu durchbrechen gilt.

  1. Schmerz
  2. Mobilitätseinschränkungen
  3. Hilfslosigkeit
  4. Soziale Isolation
  5. Einsamkeit/Depression
  6. Geistige/ Körperliche Aktivität ist vermindert
  7. Schmerz

Diese „Stationen“ werden häufig durchlaufen und gerade in der ambulanten Pflege, wo Menschen viel alleine Zuhause sind, stellt dieser Kreislauf eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar.

 

Schmerzen sollten nicht einfach hingenommen werden

Das Auftreten von Schmerzen darf auch bei alten Menschen nicht missverstanden oder hingenommen werden, als normales Begleitsymptom des Alterns. Jeder der schon einmal Schmerzen in irgendeiner Form erlebt hat, weiss dass diese einen enormen Einfluss auf soziale Aktivitäten und Lebensfreude haben und somit einen riesen Einfluss auf die Lebensqualität an sich. Sobald der Allgemeinzustand reduziert ist und ggf. durch den Schmerz eine Immobilität hinzukommt, werden chronische Schmerzen und auch seelisches Leid verstärkt und dies beeinflusst wiederrum die Schmerzwahrnehmung und Verarbeitung.

 

Möglichkeiten und Therapie

Bei der medikamentösen Therapie ist das Who Stufenschema zu beachten (was leider immer noch häufig außer Acht gelassen wird. Die Schmerzmittel werden entsprechend der Schmerzintensität stufenweise angepasst. Als Basismedikation bei leichten Schmerzen werden Medikamente bei der WHO Stufe 1 verabreicht. Mittelstarke Schmerzen können mit schwachen Opioiden der WHO Stufe 2 behandelt werden, bei Bedarf kombiniert mit Nichtopioiden und sogenannten Koanalgetika. Dies sind Medikamente, welche je nach Auslöser der Schmerzen die Schmerztherapie unterstützen.

 

Die Behandlung von starken Schmerzen 

Starke Schmerzen werden mit starken Opioiden der WHO Stufe 3 behandelt, in Kombination mit Nichtopioiden und ggf, Koanalgetika. Die Kombination von Opioiden und Nicht- Opioiden verstärkt die schmerzlindernde Wirkung. Das Stufenschema dient als Orientierungshilfe und darf nicht dazu führen, dass auf einen individuell angestimmten Behandlungsplan verzichtet wird. Nicht medikamentöse Maßnahmen können ergänzt werden und sollten auf jedenfall mit beachtet werden. Sie sind eine weitere Ressource in der Schmerzbehandlung. Nicht alle Methoden sind selbstverständlich auch für jeden Einzelnen geeignet, hier sind Persönlichkeit und Vorlieben mit einzubeziehen. Von Massagen, über Entspannungsmethoden, Wärme-und Kälteanwendungen, Bewegung über Aromabehandlungen, Akupressur und Psychotherapeutische Unterstützung ist hier vieles möglich.

 

Die Multimodale Schmerztherapie

In einem Blogbeitrag vom letzten Jahr, habe ich die Multimodale Schmerztherapie vorgestellt und die Möglichkeiten die hiermit genutzt werden, so wie eine Klinik vorgestellt, die damit arbeitet. In der modularen Schmerztherapie wird Bewegung und Entspannung mit Gruppen-und Einzelangeboten kombiniert.

Der Weg ist dabei zu schauen, was steht wirklich hinter den Schmerzen und zu schauen dabei alle Aspekte mit anzuschauen.

Der Gedanke hinter der Blogreihe war einmal aufmerksam zu machen darauf, wie schnell auf diesem Gebiet eben auch etwas schiefgeht und wie groß der Aspekt von persönlicher Haltung und eigener Berufsethik ist, wenn es darum geht Menschen mit Schmerzen zu begegnen. Fachwissen ist die eine Seite, dieses Wissen auch adäquat anzuwenden und Menschen wertschätzend zu begegnen ist eine Weitere.

 

Hiermit verabschiede ich mich aus der Blogreihe Schmerz und wünsche eine gute Zeit. Bis zum nächsten Beitrag

 

Ihre Lisa Ruchnewitz

 

Alle Beiträge zum Thema „Pflege beim Schmerzen“ im Überblick

  1. Pflege bei Schmerzen Teil 1 – ein (persönlicher) Erfahrungsbericht
  2. Pflege bei Schmerzen Teil 2 – Grundlagen der Schmerzeinschätzung
  3. Pflege bei Schmerzen Teil 3 – Maßnahmen und Standardfehler 
Lisa Ruchnewitz

Autor: Lisa Ruchnewitz

Lisa Ruchnewitz, exam. Altenpflegerin, Pflegedienstleitung (Leitende Pflegefachkraft), ICW Wundexpertin, Diplom Pflegepädagogin, Entspannungspädagogin, med. Fußpflege in Ausbildung. In meiner Pflegelaufbahn die seit ca. 20 Jahren andauert, habe ich in vielen verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Funktionen gearbeitet. Ich kenne die Pflege aus der Perspektive einer Auszubildenden über die Arbeit als Leitungskraft für eine Tagespflege und eine stationäre Pflegeeinrichtung, bis hin zur Lehrerin für Pflege und Dozentin in der Fort-und Weiterbildung. In meinen unterschiedlichen Fachfortbildungen habe ich zusätzliches Wissen erworben um auch im Unterricht nah an der Basis bleiben zu können. Auch jetzt habe ich den Kontakt zu Dieser nicht verloren und mache kleine Ausflüge in die ambulante Pflege hin und wieder.   Fachthemen die mir immer wieder besonders am Herzen liegen, sind z.B. die Basale Stimulation, Schmerz, Wunden, Psychohygiene für Pflegefachkräfte, Berufspolitisches und alles im Bereich Ethik in der Pflege.   Ich nehme in den Blogbeiträgen, aktuelle Pflegethemen auf und beleuchte aber auch Themen, die gerne „vergessen“ werden. Es ist mir wichtig, verschieden Perspektiven darzustellen und mich ab und an auch einmal kritisch über die Pflege zu äußern, denn Wachstum ist nur möglich, wenn man die Dinge hinterfragt und Willens ist sich weiterzuentwickeln.   Ich freue mich immer über Anregungen und würde mich freuen immer mal wieder mit Ihnen in den Austausch zu gehen.

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