Leiharbeit in der Pflege – Ursachen, Auswirkungen, Forderungen

Für unseren heutigen Blogbeitrag bin ich über ein interessantes Impulspapier des DBfK gestolpert, dass ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, da es sich mit einem Thema beschäftigt, an dem sich gerne die Geister scheiden. Es gibt viele Meinungen dazu, Urteile und Ideen, aber kaum jemand setzt sich einmal so richtig mit dem Phänomen auseinander: Leiharbeit in der professionellen Pflege.

 

 

Leiharbeit in der professionellen Pflege

 

So richtig auseinandergesetzt, hatte ich mich ehrlicherweise bisher auch nicht mit der Leiharbeit in der Pflege und ich bin mehr zufällig wieder darauf zurückgekommen. Eine Bekannte beginnt eine solche Stelle bei einem Pflegedienst und arbeitet 25 Stunden die Woche für ein horrendes Gehalt, welches eher einer Vollzeitstelle entspricht. So bin ich wieder darüber gestolpert und war mit ihr in Diskussion der Vor-und Nachteile. Schnell merkte ich jedoch das mir die Argumente ausgingen und ich keine Ahnung von aktuellen und konkreten Zahlen und Rahmenbedingungen hatte und so meine Sicht auf die Dinge leider nicht stichhaltig vertreten konnte. So begann ich zu recherchieren und auch in zwei/drei Einrichtungen mal nachzufragen und bin letztendlich noch bei dem Impulspapier gelandet.

 

Impulspapier des DBfK

Wenn Sie alles dazu lesen möchten, finden Sie im Folgenden den Link:

https://www.dbfk.de/media/docs/download/DBfK-Positionen/Impulspapier-Arbeitnehmerueberlassung-in-der-Pflege-2019-09.pdf

Das Papier beschäftigt sich kritisch mit dem Thema, begründet aber auch, warum die Zahl der Pflegefachkräfte, welche in die Leiharbeit gehen, mittlerweile so hoch ist.

„Als Reaktion auf die starke Nachfrage nach Arbeitskräften in der Alten- und Krankenpflege hat in den letzten Jahren die Zahl der Beschäftigten, die über ein Leiharbeitsunternehmen in der Pflege tätig sind, zugenommen. Waren es 2014 noch rund 12.000 Leiharbeitnehmer in der Krankenpflege, so waren es 2018 schon fast doppelt so viele (22.000). Auch in der Altenpflege ist die Zahl der Leiharbeiter in den letzten fünf Jahren merklich gestiegen von gut 8.000 auf 12.000 im Jahr 2018. Immer mehr Pflegekräfte scheinen sich derzeit für eine Beschäftigung über ein Leiharbeitsunternehmen zu entscheiden, da diese mit überdurchschnittlichen Löhnen, Mitbestimmungsrechten bei Dienstplänen und bezahlten Überstunden werben.

Der Anteil der Leiharbeitnehmer an allen Beschäftigten in der Pflege ist mit zwei Prozent weiterhin gering – jedoch mit steigender Tendenz.“ Die Berufsgruppe verzeichne, so heißt es weiter, zwischen 2014 und 2018 mit 0,7 Prozentpunkten die stärkste Zunahme der Leiharbeit an der Gesamtbeschäftigung. Tatsächlich melden Kliniken, insbesondere in Ballungsräumen, bereits zweistellige Anteile von Leiharbeit in den Pflegeteams.“ (Quelle siehe oben).

 

Pflegekräfte zieht es in die Leiharbeit

Früher waren es eher die nicht so gut ausgebildeten Pflegefachkräfte, die woanders nichts gefunden haben, die es in die Leiharbeit zog, heute hat sich das laut des Papiers ins Gegenteil verkehrt und gerade die „guten Fachkräfte“ wandern ab.

„Immer häufiger sind es gerade junge und sehr gut Ausgebildete, Pflegefachpersonen mit stark nachgefragten Zusatzqualifikationen, mit Berufserfahrung, hoher Leistungsbereitschaft und großem Engagement, die ihren Marktwert kennen und sich sehr bewusst den lange erlebten wenig wertschätzenden Arbeitsbedingungen entziehen“ (Quelle: ebda.)

 

Die Vorteile und Nachteile der Leiharbeit

Die Vorteile, die sich aus der Leiharbeit wie oben beschrieben ergeben, sind die, die mir meine Bekannte auch aufgezählt habe, als ich sie gefragt habe, warum sie sich mit ihren Qualifikationen nicht „einfach ein Unternehmen sucht,“ das gut zu ihr passt und mit dem in Verhandlung geht. Die kritischen Aspekte oder Nachteile, die ich ihr dann intuitiv aufgezählt habe, sind hier im Papier des DBfK noch einmal gut aufgeführt und beleuchtet.

Sowohl für den Leiharbeiter selbst als auch für die Einrichtung, die Festangestellten, die Bewohner/Patienten und die Versorgungsqualität können sich Aspekte ergeben, die sich als eher negativ erweisen dauerhaft.

 

Auswirkung der Leiharbeit auf die Stammbelegschaft

Interessant ist auch die Auswirkung auf die Stammbelegschaft:

„Für die Stammbelegschaft: Die Situation kippt mittlerweile, nachdem zunächst Leiharbeit als willkommene Entlastung bei Arbeitsspitzen und Personalausfall erlebt wurde. Inzwischen spaltet das Thema immer mehr Teams, weil die verbliebenen Stammbelegschaften in der Regel die unattraktiven Dienste und Schichten (Nachtdienst, Feiertage, Wochenenden, Rufbereitschaft, Bereitschaftsdienst) abdecken müssen und dafür auch noch geringere Stundenlöhne und Zulagen erhalten.

Von ihnen wird maximale Flexibilität und ständige Verfügbarkeit erwartet, während die Kolleg/innen aus der Leiharbeit ihre Dienste lange im Voraus und nach Wunsch aussuchen. Ständig neue Mitarbeiter/innen einzuarbeiten und zu überwachen – bei ohnehin immensem Zeitdruck– kostet Nerven und zusätzliche Zeit. Andere Aufgaben müssen dagegen vernachlässigt werden, damit der Betrieb einigermaßen läuft. Belastend kommt nicht nur hinzu, dass auf diese Weise eine immer größere Verantwortung bei den Stamm-Beschäftigten abgeladen wird, sondern dass sie bei der Zuteilung von Fällen in aller Regel die Schwerstkranken übernehmen müssen.

Zusätzliche Aufgaben, wie sie auf jeder Station anfallen, können Leiharbeitnehmer/innen nicht abarbeiten, dafür fehlt ihnen das Wissen um Strukturen und etablierte Prozesse, aber oft auch die erforderlichen Zugriffsrechte auf das elektronische Dokumentationssystem. Jede Form der Weiterentwicklung wird für alle Beteiligten ausgebremst. Alles in allem bildet der zunehmende Einsatz von Leiharbeitskräften in Pflegeteams mittlerweile weniger eine Entlastung als vielmehr steigendes Konfliktpotenzial und sorgt für große Unzufriedenheit und Stress.

 

Konzertierte Aktion Pflege (KAP)

Auch die Konzertierte Aktion Pflege (KAP) hat sich dem Thema gewidmet und erkennt die zunehmende Belastung von Stammbelegschaften durch Leiharbeit. Die Arbeitsgruppe 2 der KAP setzt sich zum Ziel, „… den Anteil an Leiharbeitskräften in der Pflege und Betreuung nachhaltig zu reduzieren.“ Hierzu wurden verschiedene Maßnahmen vereinbart“. (ebda.) Aber lesen Sie gerne den Artikel selbst und machen Sie sich ein umfassenderes Bild. (siehe Link oben.)

Er ist zügig zu lesen und informativ. Wie ist es denn bei Ihnen mit dem Thema? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht oder sich eine Meinung gebildet?

Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen

Bis bald

Ihre Lisa Ruchnewitz

Lisa Ruchnewitz

Autor: Lisa Ruchnewitz

Lisa Ruchnewitz, exam. Altenpflegerin, Pflegedienstleitung (Leitende Pflegefachkraft), ICW Wundexpertin, Diplom Pflegepädagogin, Entspannungspädagogin, med. Fußpflege in Ausbildung. In meiner Pflegelaufbahn die seit ca. 20 Jahren andauert, habe ich in vielen verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Funktionen gearbeitet. Ich kenne die Pflege aus der Perspektive einer Auszubildenden über die Arbeit als Leitungskraft für eine Tagespflege und eine stationäre Pflegeeinrichtung, bis hin zur Lehrerin für Pflege und Dozentin in der Fort-und Weiterbildung. In meinen unterschiedlichen Fachfortbildungen habe ich zusätzliches Wissen erworben um auch im Unterricht nah an der Basis bleiben zu können. Auch jetzt habe ich den Kontakt zu Dieser nicht verloren und mache kleine Ausflüge in die ambulante Pflege hin und wieder.   Fachthemen die mir immer wieder besonders am Herzen liegen, sind z.B. die Basale Stimulation, Schmerz, Wunden, Psychohygiene für Pflegefachkräfte, Berufspolitisches und alles im Bereich Ethik in der Pflege.   Ich nehme in den Blogbeiträgen, aktuelle Pflegethemen auf und beleuchte aber auch Themen, die gerne „vergessen“ werden. Es ist mir wichtig, verschieden Perspektiven darzustellen und mich ab und an auch einmal kritisch über die Pflege zu äußern, denn Wachstum ist nur möglich, wenn man die Dinge hinterfragt und Willens ist sich weiterzuentwickeln.   Ich freue mich immer über Anregungen und würde mich freuen immer mal wieder mit Ihnen in den Austausch zu gehen.

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