Der neue Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ -Stärken und Hürden

Im Rahmen der Vorbereitung des E-learning Kurses zum Expertenstandard, habe ich mich noch einmal anders und sehr intensiv mit dem Expertenstandard (und zwar in Gänze und von vorne bis hinten) befasst. Habe mit Menschen gesprochen, die in der Umsetzung sind, habe eine Verfahrensanweisung entwickelt und den Ansatz von Kitwood noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Außerdem verschiedenste Meinungen zum Thema angehört und gelesen und eine Eigenreflektion vorgenommen.

 

 

Der neue Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“

 

Wie man es auch dreht und wendet- der Gedanke dahinter ist sehr gut! Aber letztendlich alles andere als neu und wirklich nicht einfach in der Umsetzung.

Ich bin immer eine der Ersten die lösungsorientiert und gerne kurz und knapp und auf den Punkt denkt, wenn es um problematische Situationen geht. Trotz der Tatsache den Standard nun zu kennen, ihn verstanden zu haben, Hintergrundtheorien zu kennen und Umsetzungshinweise, melden sich noch kleinere oder größere Zweifel, wie dies alles in der täglichen Pflegepraxis wohl funktionieren wird. Positiv ist hier jedoch zu bemerken, dass ja ab November die neuen QPR (Qualitätsprüfrichtlinien) in Aktion treten und in vielen Einrichtungen die SIS (Strukturierte Informationssammlung) Einzug gehalten hat, und dies beides sicher dazu beitragen wird, dass die Umsetzung ein Stückweit (zumindest strukturell) einfacher wird.

 

Der Wichtigste bisher erschienene Standard

Ohne Frage haben sich fachlich versierte und kompetente Menschen Gedanken darübergemacht, wie das (Zusammen-) Leben für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen mit mehr Lebensqualität für alle Beteiligten aussehen kann. Wenn wir uns einmal die Zielsetzung anschauen „Jeder pflegebedürftige Mensch mit Demenz erhält Angebote zur Beziehungsgestaltung, die das Gefühl, gehört, verstanden und angenommen zu werden sowie mit anderen Personen verbunden zu sein, erhalten und fördern“, dann muss ich dem Herrn dessen Vortrag ich kürzlich zum Thema hörte, recht geben, wenn er sagt, dies ist sicherlich neben dem Expertenstandard Schmerzmanagement, der Wichtigste bisher erschienene Standard, da er unmittelbar mit unserem Grundgesetz verbunden ist und einen ganz konkreten Bezug zur Ethik herstellt (nicht nur indirekt).

 

Der person-zentrierte Ansatz

Zu Bedenken, ist hierbei jedoch vielleicht, dass es unglaublich schwer sein wird, eine Haltung in Jemandem (nämlich in Jedermann/Jederfrau) zu initiieren, die die Grundlage zur Erfüllung dieses Ziels darstellt. Dafür sind Kompetenzen und ein großes Verständnis notwendig, die ich hier niemandem absprechen möchte und dennoch, wenn ich den Gedanken weiter denke zu dem Schluss komme (wie Sie vielleicht auch), dass zumindest das Interesse daran wahrscheinlich nicht bei jedem vorhanden ist. Auf der anderen Seite steht außerdem der Gedanke, dass es häufig schon gesunden Menschen nicht möglich ist das Gefühl aufzubauen, sich gehört, verstanden und angenommen zu fühlen (denken Sie mal an Ihre eigenen Alltagssituationen) und das dann wiederzuspiegeln oder darauf angemessen zu reagieren. Nun soll aber genau dieses Gefühl als Reaktion auf professionelles Verhalten –nämlich leben des person-zentrierten Ansatzes-reflektiert und evaluiert werden.

Bestimmt nicht einfach, denn es gibt auch hier Haltung und Methode und eines baut auf dem anderen auf.

 

Die eigene Haltung im Pflegealltag

Was machen wir nun damit und wie kann man das bewerten? Sicher konstruktiv! Der Expertenstandard führt uns ein Stück zurück zu den „guten, alten Werten der Pflege“, nämlich Fürsorge, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und so pathetisch es klingt, zur Nächstenliebe. Und das alles in einem professionellen „Einband“ der dazu verpflichtet, mal wieder nachzudenken und zu reflektieren. Darüber wie wir uns eigentlich Menschen gegenüber verhalten und wie eigentlich unsere eigene Haltung denen gegenüber aussieht denen wir vermeintlich überlegen sind. Im beruflichen sowie im privaten Kontext.

 

Trotz Schwierigkeiten, die Umsetzung lohnt sich

So schwierig auch einige Passagen in der Umsetzung erst einmal sein mögen, es lohnt sich definitiv, sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen und gerade dem Part der „Schulung, Information, Anleitung und Beratung besondere Aufmerksamkeit zu widmen und nicht zu Letzt, das eigene Verhalten anzupassen und so den Spiegelneuroneneffekt zu nutzen und andere darauf aufmerksam zu machen, WIE es funktioniert. Denn in diesem Standard geht es, wie Sie vielleicht schon wissen, mehr um das WIE als um das WAS!

In diesem Sinne viel Freude bei der Auseinandersetzung und vielleicht auch Neugierde und Motivation sich das Ganze mal genauer anzuschauen.

 

Christian Karl

Autor: Christian Karl

Christian Karl ist Experte für Lernen, Strategie und Online-Bildung. Als Fachkaufmann, LernCoach, E-Trainer und DistanceTeacher sowie als stellv. Geschäftsführer der HÖHER Management GmbH beschäftigt er sich seit über 10 Jahren mit den Herausforderungen des erfolgreichen lebenslangen und gehirngerechtes Lernen. Speziell liegt Ihm die Potentialentfaltung und Lerntransferstärke seiner Teilnehmer am Herzen.

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