Pflege bei Schmerzen Teil 2 – Grundlagen der Schmerzeinschätzung

 

Im letzten Blogartikel habe ich das Thema Schmerz und den Umgang mit diesem eingeleitet. Es ging dabei unter anderem darum, geäußerte Schmerzen ernst zu nehmen und nicht „abzutun“, nach dem Motto „So schlimm kann das gar nicht sein“.

 

 

Pflege bei Schmerzen – Grundlagen der Schmerzeinschätzung

 

Wir wollen uns nun einmal das Thema „Schmerzeinschätzung“ genauer anschauen. Am Anfang steht eine gute Krankenbeobachtung, zu der unter anderem auch das Wahrnehmen von nonverbalen Signalen gehört, sowie Fragen zur Mobilität und Motivation. Als Grundvoraussetzung muss die Pflegefachkraft über das notwendige Wissen zur systemischen Schmerzeinschätzung, zur medikamentösen Schmerzbehandlung einschließlich der Nebenwirkungen, sowie über nicht medikamentösen Schmerzmaßnahmen und Beratungs-und Schulungskompetenz verfügen.

Ihre Aufgaben sind hierbei die Erhebung, ob und welche Schmerzen bestehen, sowie eine individuelle Einschätzung mittels geeigneter Skala bei Belastung und Bewegung sowie im Ruhezustand.

 

Wichtig hierbei: Schmerz ist ein subjektives Phänomen. Nur der Betroffene kann zuverlässig Aussagen darüber machen. Von Außenstehenden kann Schmerz nur indirekt über das Verhalten erschlossen werden. Grundvoraussetzung für eine angemessene Schmerzbehandlung ist, die Angaben der Betroffenen uneingeschränkt zu akzeptieren und zu respektieren.

 

MERKE:

Schmerz ist das, was die Person, die ihn erfährt, über ihn angibt. Er ist vorhanden, wenn sie sagt, dass er da ist!!

 

Hätte das Personal im Krankenhaus aus meinem ersten Blogbeitrag zum Thema Schmerz, dies berücksichtigt, wäre mir einiges erspart geblieben. Es ist der entscheidende Schlüsselsatz zur Thematik der Behandlung von Schmerzen.

 

Gesichtspunkte der Schmerzeinschätzung

Im Folgenden schauen wir uns einmal die Gesichtspunkte an, welche bei der Schmerzeinschätzung von Bedeutung sind:

  1. Die Lokalisation des Schmerzes gibt Aufschluss über die Schmerzursache
  2. Die Schmerzintensität ist Grundlage für Einleitung und Anpassung der medikamentösen Schmerztherapie.
  3. Die Schmerzqualität gibt Aufschluss über die Schmerzursache und ist eine wichtige Grundlage für die Auswahl der Schmerzmedikamente, insbesondere für den Einsatz von Zusatzmedikamenten (WHO Stufenschema)
  4. Die zeitlichen Aspekte, erstes Auftreten, Zusammenhänge, Rhythmus und zeitlicher Verlauf, sind wichtig für den Pflegeplan und evtl. nichtmedikamentöse Maßnahmen.
  5. Schmerzverstärkende oder lindernde Faktoren helfen Lösungsstrategien zu entwickeln oder bewährte Maßnahmen fortzuführen.
  6. Die Auswirkung des Schmerzes auf das Alltagsleben sind wichtig für die Bewertung der Schmerzbehandlung und geben Auskunft über den individuellen Umgang mit Schmerzen!

 

Aufgaben des Pflegepersonals bei Schmerzen

Im ersten Blogartikel zur Thematik, habe ich einmal angesprochen, wieviel Macht wir bei diesem Thema Schmerz als Pflegepersonal eigentlich haben und welche Ohnmachtsgefühle wir mit „nicht Handeln“ auslösen können. Dies sollte uns bewusst sein und jeder Gedanke der in die Richtung „der oder die stellen sich an“, unterbrochen und überprüft werden. Hier ist eine Professionalität und Eigenreflexion gefordert, die mit Fachwissen angereichert dazu führen kann, solche Erlebnisse wie ich sie geschildert hatte, zu vermeiden.

 

Einschätzung der Schmerzintensität

Die Einschätzung der Schmerzintensität sollte mit Hilfe von standardisierten Skalen stattfinden. Sogenannte Ratingskalen, wie zum Bespiel der nummerischen (NRS), der verbalen (VRS) oder der visuellen.

 

Schmerzverlaufsprotokoll und -tagebuch

Auch ein Schmerzverlaufsprotokoll oder ein Schmerztagebuch können einen guten Überblick über Schmerzstärke und Häufigkeit geben. Hierin können unter anderem der Zeitpunkt und die Dauer der Schmerattacken angegeben werden, die Schmerzqualität und das Ausmaß, Besonderheiten, die Auswirkungen auf den Alltag und Begleitsymptome, sowie schmerzverstärkende und schmerzlindernde Faktoren.

Ganz einfach und ohne große Herausforderung ist es aber den Patienten einfach anzuschauen (Mimik, Gestik, Körpersprache, Aussagen des Patienten) und dieses wie oben schon mehrfach erwähnt, zu beobachten, zu hinterfragen und ernst zu nehmen und darauf dann Maßnahmen folgen zu lassen bzw. in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt anzuregen.

Im nächsten Blogbeitrag schauen wir uns dazu noch die möglichen Maßnahmen und den Aspekt der Chronifizierung von Schmerzen an.

 

Bis dahin alles Gute

 

Ihre Lisa Ruchnewitz

 

Alle Beiträge zum Thema „Pflege beim Schmerzen“ im Überblick

  1. Pflege bei Schmerzen Teil 1 – ein (persönlicher) Erfahrungsbericht
  2. Pflege bei Schmerzen Teil 2 – Grundlagen der Schmerzeinschätzung
  3. Pflege bei Schmerzen Teil 3 – Maßnahmen und Standardfehler 
Lisa Ruchnewitz

Autor: Lisa Ruchnewitz

Lisa Ruchnewitz, exam. Altenpflegerin, Pflegedienstleitung (Leitende Pflegefachkraft), ICW Wundexpertin, Diplom Pflegepädagogin, Entspannungspädagogin, med. Fußpflege in Ausbildung. In meiner Pflegelaufbahn die seit ca. 20 Jahren andauert, habe ich in vielen verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Funktionen gearbeitet. Ich kenne die Pflege aus der Perspektive einer Auszubildenden über die Arbeit als Leitungskraft für eine Tagespflege und eine stationäre Pflegeeinrichtung, bis hin zur Lehrerin für Pflege und Dozentin in der Fort-und Weiterbildung. In meinen unterschiedlichen Fachfortbildungen habe ich zusätzliches Wissen erworben um auch im Unterricht nah an der Basis bleiben zu können. Auch jetzt habe ich den Kontakt zu Dieser nicht verloren und mache kleine Ausflüge in die ambulante Pflege hin und wieder.   Fachthemen die mir immer wieder besonders am Herzen liegen, sind z.B. die Basale Stimulation, Schmerz, Wunden, Psychohygiene für Pflegefachkräfte, Berufspolitisches und alles im Bereich Ethik in der Pflege.   Ich nehme in den Blogbeiträgen, aktuelle Pflegethemen auf und beleuchte aber auch Themen, die gerne „vergessen“ werden. Es ist mir wichtig, verschieden Perspektiven darzustellen und mich ab und an auch einmal kritisch über die Pflege zu äußern, denn Wachstum ist nur möglich, wenn man die Dinge hinterfragt und Willens ist sich weiterzuentwickeln.   Ich freue mich immer über Anregungen und würde mich freuen immer mal wieder mit Ihnen in den Austausch zu gehen.

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